Eigentlich wollte ich nur einen kleinen Heimserver. Nichts Besonderes. Ein paar Docker-Container, meine eigene Cloud, etwas Musikstreaming und vielleicht noch die eine oder andere Spielerei.
Also habe ich mir einen gebrauchten HP EliteDesk 800 G6 Mini mit Intel Core i5-10500T und 32 GB RAM gekauft. Klein, sparsam und für meine Zwecke eigentlich mehr als ausreichend.
So weit, so vernünftig.
Wer mich kennt, weiß allerdings, dass zwischen „Ich brauche einen kleinen Server“ und „Der Server läuft“ bei mir grundsätzlich mindestens drei Betriebssysteme, zwei Architekturkonzepte und eine mittelschwere Identitätskrise liegen müssen.
Die große Betriebssystemfrage
Proxmox?
Natürlich.
Schließlich kann man damit wunderbar virtualisieren. Also erst einmal ausprobiert. Wirklich tolles System.
Brauche ich das für ein paar Docker-Container?
Nö.
Debian 13?
Stabil, zuverlässig, vorhersehbar. Eigentlich perfekt.
Ubuntu Server?
Auch nicht schlecht.
Vielleicht doch lieber mit Desktop?
KDE wäre ja ganz nett.
Und überhaupt: ext4 oder Btrfs?
Irgendwann war ich wieder an dem Punkt, an dem ich mehr Zeit damit verbrachte, über das Betriebssystem nachzudenken, als den eigentlichen Server einzurichten.
Bis mir etwas auffiel.
Moment mal. Ich habe doch längst ein funktionierendes Kubuntu!
Und nicht irgendeines.
Mein seit Monaten treuer Begleiter, der sämtliche Distro-Hopping-Attacken überlebt hat.
Warum also wieder bei null anfangen?
Episode II: Angriff der Klonkrieger
Gesagt, getan.
Mein bestehendes Kubuntu 26.04 LTS lag bereits als Installation auf einer externen SSD. Also bekam der HP kurzerhand seinen eigenen Kubuntu-Zwilling spendiert.
Anschließend folgte eine ziemlich radikale Entschlackungskur. Alles, was auf dem kleinen Server nichts zu suchen hatte, durfte gehen.
Das Ergebnis?
Ein vertrautes, stabiles System, das genau das macht, was ich möchte.
Monatelang Linux-Erfahrung gesammelt, um am Ende festzustellen, dass die beste Distribution die ist, die bereits installiert ist.
Ich werde alt.
Oder vernünftig.
Vermutlich Ersteres.
HomeDockOS: Ein Desktop im Desktop
Als Verwaltungsoberfläche teste ich momentan HomeDockOS. Das Konzept gefällt mir besonders gut: Docker-Anwendungen verwalten und direkt über eine hübsche, desktopartige Weboberfläche bedienen.
Zusätzlich stehen mir Cockpit und die üblichen Linux-Werkzeuge zur Verfügung.
Und weil der EliteDesk ohnehin am Fernseher hängt, soll er später auch als Medienzentrale dienen. Besonders gespannt bin ich auf Plasma Bigscreen, das mit KDE Plasma 6.7 zurückkehrt.
Ein kleiner Server, der gleichzeitig Medienzentrale, Cloud und Experimentierplattform ist.
Klingt nach einem vernünftigen Plan.
Zumindest solange ich nicht wieder auf die Idee komme, eine externe Grafikkarte anzuschließen und den Prozessor aufzurüsten.
Nein, natürlich würde ich so etwas niemals tun.
Schiebt unauffällig die eGPU-Recherche aus dem Browser.
Und was macht der Kleine jetzt?
Momentan?
Er langweilt sich.
Bei einem Blick auf mein Monitoring zeigte er gerade einmal 1,7 % CPU-Auslastung, 37 °C und rund 3,8 GB belegten Arbeitsspeicher.
Und das, obwohl meine Dienste im Hintergrund laufen.
Meine Musikbibliothek ist erreichbar, meine Cloud steht bereit, und über den WireGuard-Tunnel meiner FRITZ!Box kann ich auch unterwegs auf mein Heimnetz zugreifen.
Der tatsächliche Stromverbrauch muss noch gemessen werden, aber die geringe Grundlast sieht schon einmal vielversprechend aus.
Der arme HP weiß allerdings noch nicht, dass ich langfristig eine eigene Cloud-Suite namens Gedankenbrei Serv entwickeln möchte.
Genieß deine Ruhe, Kleiner. Sie wird nicht ewig dauern.
Fazit: Manchmal ist weniger Distro-Hopping mehr
Ich hätte Debian installieren können.
Oder Proxmox.
Oder irgendeine andere spannende Lösung.
Stattdessen habe ich einfach mein bewährtes Kubuntu genommen, es entschlackt und zum Server gemacht.
War das die technisch einzig richtige Entscheidung?
Natürlich nicht.
War es für mich die unkomplizierteste?
Absolut.
Und vielleicht ist genau das die Erkenntnis aus der ganzen Geschichte:
Ein Betriebssystem muss nicht ständig neu, aufregend oder besonders exotisch sein. Manchmal reicht es völlig, wenn es einfach funktioniert.
Das sage ausgerechnet ich, der früher mehr Zeit mit der Gestaltung seines Desktops verbracht hat als mit dessen eigentlicher Benutzung.
Aber keine Sorge.
Ganz geheilt bin ich noch nicht.
Auf dem HP wartet schließlich noch KVM/QEMU auf mich.
Und irgendwo liegt bestimmt noch eine ISO herum, die unbedingt ausprobiert werden möchte.
Möge die Macht mit Kubuntu sein. 🐧