Manchmal fängt ein Projekt ganz harmlos an.

Mein ThinkPad läuft als kleiner Heimserver mit Ubuntu. Nextcloud drauf, Hermes drauf, ein bisschen Docker hier, ein bisschen Automatisierung da.

Eigentlich alles gut.

Dann kam dieser eine Gedanke:

„Wäre schon geil, wenn das alles eine hübsche zentrale Weboberfläche hätte.“

Ja.

Und wer mich kennt, weiß vermutlich schon, wie hervorragend dieser Satz gealtert ist. 😅

Ein paar Stunden später hatte ich UmbrelOS, ZimaOS, StartOS, Unraid und Proxmox in virtuellen Maschinen laufen und diskutierte mit mir selbst darüber, welches Betriebssystem mein Server braucht.

Spoiler:

Wahrscheinlich weiterhin Ubuntu.

Aber der Reihe nach.


UmbrelOS – verdammt, ist das hübsch

Umbrel war der erste Kandidat, bei dem ich tatsächlich kurz dachte:

„Okay. Ubuntu runter. Das kommt drauf.“

Das Ding installiert man, öffnet die Weboberfläche und fühlt sich plötzlich nicht mehr wie auf einem Server, sondern eher wie auf einem kleinen persönlichen Cloud-PC.

Apps installieren?

Anklicken.

Nextcloud?

Anklicken.

Jellyfin?

Anklicken.

Und dann entdecke ich auch noch, dass Umbrel komplette virtuelle Maschinen starten kann.

Natürlich musste ich das ausprobieren.

Also lief irgendwann auf meinem Linux-Mint-Rechner eine Umbrel-VM, in der wiederum eine Debian-VM lief.

Und das Erschreckende?

Es lief erstaunlich gut.

An diesem Punkt war der praktische Nutzen meines Tests längst irgendwo aus dem Fenster gefallen.

Aber hey, VM in VM funktioniert.

Wissenschaft! 😂

Umbrel ist für mich ganz klar der Komfort-Sieger.

Es sieht gut aus, fühlt sich fertig an und macht erstaunlich viel aus einer Oberfläche heraus.

Der Nachteil ist allerdings ebenfalls ziemlich offensichtlich:

Umbrel möchte eben dein Server-System sein.

Und mein Ubuntu funktioniert bereits.


ZimaOS – wahrscheinlich mächtig, aber wir wurden keine Freunde

Danach kam ZimaOS.

Auch schick.

Auch Apps.

Auch Storage.

Auch Docker.

Eigentlich alles da.

Mein erster Kontakt bestand allerdings erst einmal daraus, herauszufinden, warum ich die Weboberfläche nicht erreichen konnte.

Die Antwort war natürlich wunderbar passend:

Meine VM und ZimaOS wollten dasselbe Netzwerk benutzen.

Also erst einmal Netzwerk umbauen, neues virtuelles Netz anlegen und dann lief es.

Das ist kein Drama.

Aber nachdem Umbrel vorher ungefähr mit:

„Hallo, ich bin da. Möchtest du etwas installieren? ❤️“

begrüßt hatte, wirkte ZimaOS eher wie:

„Bevor wir anfangen, lösen wir erst einmal gemeinsam ein kleines Rätsel.“

Technisch finde ich ZimaOS durchaus interessant. Gerade wenn Storage, NAS und Docker stärker im Mittelpunkt stehen, kann ich verstehen, warum man es nimmt.

Für mich persönlich war es aber etwas zu nüchtern.


StartOS – erst langweilig, dann plötzlich ziemlich interessant

StartOS hatte es anfangs schwer bei mir.

Nach der Installation ist erst einmal… fast nichts da.

Kein großer App-Zoo.

Kein blinkendes „Installier mich!“.

Kein Server-Jahrmarkt.

Einfach StartOS.

Dann schaut man genauer hin und merkt:

Das ist Absicht.

StartOS verfolgt ein ziemlich anderes Konzept. Dienste werden bewusst integriert und voneinander getrennt. Sicherheit, Privatsphäre und die Kontrolle über die eigenen Daten spielen hier deutlich stärker mit rein.

Und plötzlich fand ich das ziemlich spannend.

Der App-Katalog ist kleiner, aber fehlende Dienste kann man selbst als StartOS-Paket bauen.

Das ist natürlich exakt die Art Information, die man mir besser verschweigen sollte.

Denn aus:

„Schade, n8n gibt es nicht.“

wird bei mir erschreckend schnell:

„Na gut, dann bauen wir halt n8n für StartOS.“

Und schon ist wieder ein Wochenende verschwunden. 😅

StartOS hat mich jedenfalls deutlich positiver überrascht, als ich erwartet hatte.


Unraid – beeindruckend, aber ich brauche doch nur einen kleinen Server

Dann Unraid.

Schon die Installation war anders, weil das System traditionell vom USB-Stick bootet.

USB an die VM durchreichen, Bootreihenfolge einstellen, Lizenz-Test aktivieren…

…und irgendwann war ich drin.

Mein erster Eindruck:

Das Ding kann richtig viel.

Storage, Docker, VMs, Hardware-Passthrough und vermutlich noch drei Sachen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie verwalten möchte.

Das Problem:

Ich möchte sie auch gar nicht verwalten.

Unraid ist vermutlich fantastisch, wenn irgendwo ein großer Server mit einem Haufen Festplatten und vielleicht mehreren GPUs herumsteht.

Mein ThinkPad dagegen möchte eigentlich nur Nextcloud, Jellyfin und ein paar Dienste beherbergen.

Dazu kommt, dass Unraid Geld kostet.

Nicht unfair – die Software ist mächtig.

Aber für meinen Einsatz wäre das ein bisschen so, als würde ich mir einen kompletten Werkzeugwagen aus der Autowerkstatt kaufen, weil ich gelegentlich einen Schraubendreher brauche.


Proxmox – plötzlich bin ich Rechenzentrumsleiter

Proxmox VE wollte ich natürlich ebenfalls testen.

Und ich sage es gleich:

Proxmox ist geil.

Die Weboberfläche gefällt mir sogar richtig gut.

Aber direkt nach dem Login bekam ich ungefähr dieses Gefühl:

„Herzlichen Glückwunsch, Kiru. Dir gehört jetzt ein Rechenzentrum.“

Cluster.

Ceph.

Nodes.

Storage.

LXC.

VMs.

Netzwerke.

High Availability.

Ich wollte eigentlich nur Jellyfin installieren. 😭

Natürlich kann man eine Debian-VM anlegen und darin Docker laufen lassen.

Funktioniert wunderbar.

Aber irgendwann stellte ich mir die unangenehme Frage:

Warum habe ich jetzt einen Hypervisor installiert, damit ich darin Linux installieren kann, damit ich darin Docker installieren kann, damit ich Nextcloud starten kann?

Für ein richtiges Homelab?

Sofort.

Für meinen kleinen Heimserver?

Ich glaube, wir beide wären glücklicher, wenn Proxmox und ich einfach Freunde bleiben.


Und dann kamen Runtipi und Homeio

Irgendwann stolperte ich über einen viel simpleren Gedanken:

Warum ersetze ich eigentlich überhaupt Ubuntu?

Ubuntu läuft.

Meine Dienste laufen.

Sunshine läuft.

Hardwarezugriff funktioniert.

Docker funktioniert.

Updates funktionieren.

Eigentlich fehlt mir nur die schöne zentrale Oberfläche.

Und genau da werden Lösungen wie Runtipi und besonders Homeio interessant.

Die setzen nicht zwingend ein komplett neues Server-Betriebssystem voraus.

Sie setzen sich einfach auf ein vorhandenes Linux und sagen sinngemäß:

„Lass dein System mal in Ruhe. Ich mache es nur hübscher.“

Und plötzlich war ich wieder ziemlich nah an meinem ursprünglichen Problem.

Homeio gefällt mir dabei momentan besonders gut, weil es nicht nur wie ein App-Launcher wirkt, sondern eher wie eine richtige kleine Serverzentrale mit Apps, Dateien, Speicher und Verwaltung.

Also ungefähr das, wonach ich ursprünglich gesucht hatte.

Bevor ich selbstverständlich fünf andere Betriebssysteme installiert habe.


Mein vermutliches Ende dieses Kaninchenlochs

Alle Systeme liefen bei mir bisher nur in VMs.

Das hier ist also ausdrücklich kein wissenschaftlicher Langzeittest, sondern eher:

„Kiru hat einen Tag lang auf alles geklickt, was nach Homeserver aussah.“

Trotzdem haben sich meine persönlichen Rollen ziemlich klar herausgebildet:

UmbrelOS ist für mich der schicke, komfortable Cloud-PC.

ZimaOS der eher nüchterne NAS-/Docker-Allrounder.

StartOS das interessante Sicherheits- und Selfhosting-Konzept für Leute, die bewusst auswählen wollen, was auf ihrem Server läuft.

Unraid ist der mächtige Werkzeugkasten für deutlich größere Server als meinen.

Proxmox ist das Rechenzentrum, das ich definitiv nicht brauche – aber trotzdem ziemlich geil finde.

Und Homeio?

Homeio könnte am Ende ausgerechnet die langweiligste Lösung sein.

Ubuntu behalten.

Homeio drauf.

Fertig.

Was natürlich hervorragend zu mir passt:

Erst fünf Server-Systeme testen, um festzustellen, dass ich mein vorhandenes wahrscheinlich gar nicht ersetzen muss. 😂

Hinweis: Alle Eindrücke beruhen auf kurzen Tests in virtuellen Maschinen und meiner persönlichen Heimserver-Situation. Das ist kein Langzeittest, keine finale Kaufberatung und keine objektive Rangliste – eher ein dokumentierter Ausflug durch ein sehr tiefes Selfhosting-Kaninchenloch.