Ich wollte nur mal wieder meinen alten Freund Kubuntu besuchen. Mehr nicht. Kurz Hallo sagen, bisschen KDE-Luft schnuppern, vielleicht einmal nostalgisch durch die Systemeinstellungen klicken.

Was soll da schon passieren?

Ja.

Dieser Satz altert unter Linux grundsätzlich wie Milch auf der Fensterbank.


Ein Besuch bei einem alten Freund

Kubuntu war für mich immer so ein vertrauter Name.

Nicht unbedingt mein Zuhause.

Nicht mein aktuelles Hauptsystem.

Nicht dieses „Hier ziehe ich für die nächsten Jahre ein“-Gefühl.

Aber trotzdem irgendwie bekannt.

Ubuntu-Unterbau, KDE Plasma oben drauf, hübsches SDDM, viele Einstellungen, viel Komfort. So ein System, das einen freundlich anlächelt und sagt:

„Komm rein. Du kennst mich doch noch.“

Und genau so fing es auch an.

Kubuntu 26.04 LTS begrüßte mich mit einem hübschen SDDM-Loginfenster und zeigte mir mit seinem Startscript ganz entspannt, wo alles liegt.

Fast schon gemütlich.

Fast schon verdächtig.

Ich dachte mir:

„Na gut, schauen wir mal, wie sich Kubuntu heute so anfühlt.“

Ein harmloser Gedanke.

Also natürlich der Anfang vom Unheil.


Taskleiste nach rechts, Drama nach links

Ich wollte mich langsam einrichten.

Nichts Wildes.

Keine Kernel-Operation.

Kein Bootloader-Voodoo.

Kein „ich migriere mal eben ein System mit dd auf eine andere Platte“.

Nur KDE ein bisschen anfassen.

Taskleiste nach rechts verschieben.

Ein bisschen gucken.

Terminal öffnen.

Vielleicht Dateimanager.

Ganz normale Dinge, die ein Desktop eigentlich verkraften sollte.

Kubuntu sah das offenbar anders.

Kaum wollte ich in diese Richtung, bekam das System einen grafischen Kollaps.

Der Bildschirm wurde nicht einfach schwarz.

Er wurde Kunst.

Nicht gute Kunst.

Eher so:

„KDE Plasma präsentiert: Cyberpunk-Schachbrett mit Panikflimmern.“

Eins muss man Kubuntu lassen: Wenn es dramatisch wird, dann nicht halbherzig.


KDE Plasma präsentiert: Cyberpunk-Schachbrett mit Panikflimmern


Der Browser spielte einfach weiter

Das Schönste an der Sache war: Die Musik im Browser lief einfach weiter.

Der Bildschirm sah aus, als hätte jemand die GPU in einen Mixer geworfen, aber irgendwo im Hintergrund war das System noch lebendig.

Das ist so ein typischer Linux-Moment.

Visuell steht das Haus in Flammen.

Aber aus dem Wohnzimmer hört man noch Musik.

„Alles gut. Nur die Tapete brennt.“

Also dachte ich:

Okay.

Kann passieren.

Ab ins TTY.

SDDM neu starten.

Klingt logisch.

Klingt ruhig.

Klingt nach einer ersten vernünftigen Hilfsmaßnahme.

Blöd nur:

Der Bildschirm war komplett eingefroren.

Kein TTY.

Kein Ausweg.

Nur ich, Kubuntu und moderne Grafik-Kunst auf einem Monitor, der wahrscheinlich auch nicht wusste, was er gerade anzeigen soll.


REISUB: Herzmassage für Linux

Wenn Linux nicht mehr mit einem sprechen möchte, kommt irgendwann der Moment für die etwas speziellere Wiederbelebung.

ALT + Druck + R E I S U B

Das ist im Grunde die sanfte Herz-Brust-Massage für Linux-Systeme.

Also sanft im Sinne von:

„Bitte stirb nicht sofort, aber wir beenden das hier jetzt.“

Soweit, so gut.

Nach dem mehr oder weniger eleganten Reboot kam Kubuntu scheinbar wieder zu sich.

SDDM lächelte mich wieder freundlich an.

Kubuntu machte die Tür auf.

Ich trat ein.

Und dann bekam es wieder einen Herzkasper.

Ich meine, ich bin ja nicht besonders hübsch.

Aber so schlimm, dass ein Betriebssystem bei meinem Anblick direkt grafisch kollabiert, nun auch wieder nicht.


Und dann bekam es wieder einen Herzkasper


Der Holzhammer-Modus

Also Versuch Nummer zwei.

Oder drei.

Irgendwann zählt man nicht mehr.

Man geht einfach quer durchs Zimmer zum Rechner und macht das, was in technischen Kreisen offiziell als:

„Ich habe jetzt keine Geduld mehr.“

bekannt ist.

Der Holzhammer-Neustart.

Knopf drücken.

Warten.

Hoffen.

SDDM kam wieder.

Kubuntu lächelte wieder.

Ich winkte innerlich leicht genervt mit dem Holzhammer.

Und scheinbar verstand Kubuntu, was ich ihm damit sagen wollte.

Denn plötzlich konnten wir uns wieder nett unterhalten.

KDE Plasma lief.

Die Oberfläche war da.

Systemmonitor, Konsole, Einstellungen — alles wirkte wieder halbwegs normal.

Für einen kurzen Moment dachte ich:

„Na also. Geht doch.“

Ein weiterer Satz, der unter Linux grundsätzlich gefährlich ist.


Dann wurde ihm wieder schwarz vor Augen

Natürlich blieb es nicht dabei.

Irgendwann wurde Kubuntu wieder komisch.

Nicht dauerhaft tot.

Nicht komplett kaputt.

Aber instabil genug, dass klar war:

Das ist kein kleiner Dateimanager-Schluckauf.

Das riecht nach Grafikstack.

KDE Plasma.

KWin.

SDDM.

Wayland.

X11.

NVIDIA.

Also diese Ecke, in der Linux manchmal einen kleinen Altar aus Treibern, Sitzungen und Hoffnungen baut.

Und wenn man Pech hat, steht darunter:

„Bitte opfern Sie einen Nachmittag.“

Also musste Diagnose her.


Ab ins CT mit Kubuntu

Ich habe Kubuntu also kurzerhand ins CT geschleppt.

Fachmännisch.

Mit ernster Miene.

Und natürlich mit einem Befehl, der aussieht, als hätte jemand sämtliche Verdächtigen aus dem Linux-Grafikviertel in eine Zeile gepackt:

journalctl -b -1 --no-pager | grep -Ei "kwin|plasma|sddm|drm|nvidia|nouveau|gpu|wayland|x11|segfault|crash|failed|error|xid"

Das ist kein Befehl.

Das ist ein digitales Verhör.

KWin, Plasma, SDDM, DRM, NVIDIA, Nouveau, GPU, Wayland, X11 — alle einmal vortreten bitte.

Und während man da so sitzt und Logs liest, kommt langsam dieser unangenehme Gedanke:

„Moment. Was, wenn Kubuntu gar nicht krank ist?“

Und ja.

Genau da wurde es peinlich.


Plot-Twist: Nicht Kubuntu war krank

Am Ende war der Befund ziemlich klar:

Nicht Kubuntu war krank.

Es war mal wieder der Kiru vor dem Monitor.

Ich war nämlich einfach davon ausgegangen, dass Kubuntu die NVIDIA-Treiber automatisch installiert beziehungsweise sauber vorbereitet wie ich es von Ubuntu kannte.

Hat es aber nicht.

Oder zumindest nicht so, wie mein Kopf es in diesem Moment bequem vorausgesetzt hatte.

Und genau da liegt der kleine, aber sehr wichtige Unterschied zwischen:

„Das System ist kaputt.“

und:

„Ich habe eine Annahme getroffen und Linux hat mich höflich ausgelacht.“

Also Grafikkartentreiber nachinstalliert.

Neustart.

Und siehe da:

Kubuntu war plötzlich wieder der stabile Kumpel von nebenan.

Kein Cyberpunk-Schachbrett.

Kein Herzkasper.

Kein grafisches Theater.

Einfach KDE Plasma, wie es eigentlich gemeint war.


Einfach KDE Plasma, wie es eigentlich gemeint war.


NVIDIA: Der alte Bekannte mit Drama-Potenzial

Ich will NVIDIA gar nicht komplett die Schuld geben.

Also gut.

Ein bisschen schon.

Aber nur aus Tradition.

Die Wahrheit ist: Wenn man Linux mit NVIDIA nutzt, muss man einfach im Hinterkopf behalten, dass der Grafiktreiber kein nettes Detail ist.

Er ist nicht optionaler Dekokram.

Er ist der Unterschied zwischen:

„KDE Plasma läuft sauber.“

und:

„Dein Monitor interpretiert jetzt Expressionismus.“

Gerade bei KDE, Wayland, KWin und modernen NVIDIA-Treibern ist es nicht egal, ob der richtige Treiber sauber läuft.

Und ja, das wusste ich eigentlich.

Natürlich wusste ich das.

Das macht es nicht besser.

Das macht es nur lustiger.


Was ich daraus gelernt habe

Die Lektion ist simpel.

Leider.

Wenn ein frisch installiertes System mit KDE Plasma plötzlich Grafik-Artefakte, Freezes oder schwarze Bildschirme produziert, sollte man nicht direkt das ganze System verfluchen.

Erst prüfen:

  • Läuft der richtige NVIDIA-Treiber?
  • Nutze ich Wayland oder X11?
  • Sagt nvidia-smi etwas Sinnvolles?
  • Gibt es Fehler in journalctl?
  • Ist Nouveau im Spiel?
  • Ist KWin abgestürzt oder nur beleidigt?

Das klingt banal.

Ist es auch.

Aber banal heißt nicht automatisch, dass man es im richtigen Moment macht.

Manchmal sitzt man eben vor einem flackernden Monitor und denkt:

„Kubuntu zickt.“

Und am Ende sagt Kubuntu:

„Nein, Bruder. Du hast mir nur nicht die richtigen Klamotten angezogen.“


Mein Fazit

Ich wollte nur mal wieder meinen alten Freund Kubuntu besuchen.

Ein bisschen KDE Plasma.

Ein bisschen Ubuntu-Komfort.

Ein bisschen nostalgisches:

„Ach, guck mal, das kenne ich noch.“

Stattdessen bekam ich SDDM, Grafik-Kollaps, REISUB, Holzhammer-Neustart, Log-Forensik und am Ende die Erkenntnis, dass nicht immer das System schuld ist.

Manchmal sitzt das Problem auch einfach davor.

Vor allem, wenn die Person Kiru heißt.

Und ja:

Immer schön darauf achten, die richtigen Grafikkartentreiber zu benutzen.

Sonst wird aus einem gemütlichen Besuch bei Kubuntu ganz schnell moderne Kunst mit Linux-Untertitel.