Manchmal schaue ich auf meine Rechner und denke mir:
Andere Menschen besitzen einfach Computer.
Ich offenbar nicht.
Ich besitze inzwischen eine kleine Linux-Sternenflotte.
Und selbstverständlich braucht eine vernünftige Flotte Namen, Registrierungsnummern und völlig übertriebene militärische Klassifizierungen.
Alles andere wäre schließlich unseriös.
USS Pavilion – NCC-2011
Das älteste Schlachtschiff der Flotte.
Baujahr 2011.
Eigentlich müsste dieser alte HP-Laptop inzwischen irgendwo friedlich seinen Ruhestand verbringen und seinen Enkelprozessoren Geschichten über Windows 7 erzählen.
Stattdessen läuft darauf 2026:
- Debian.
- Hyprland.
- Noctalia.
- Blur.
- Transparenz.
Und vermutlich Dinge, bei denen sein Hersteller damals gesagt hätte:
„Auf diesem Gerät? Ganz sicher nicht.“
Der Pavilion interessiert sich dafür allerdings herzlich wenig.
Ich werfe ihm Updates hin und das Ding reagiert ungefähr mit:
„Was ist das? 300 neue Pakete?
Stell sie dahin. Ich esse die später.“
Ich bin inzwischen überzeugt, dass dieser Laptop nur deshalb noch lebt, weil niemand ihm gesagt hat, dass er alt ist.
USS Pavilion – NCC-2011.
Das alte Schlachtschiff.
Langsam vielleicht.
Aber offenbar unzerstörbar.
USS ThinkPad – NCC-2021
Dann hätten wir das flinke Wiesel der Flotte.
Mein ThinkPad.
Nicht besonders groß.
Nicht besonders auffällig.
Aber sobald irgendwo spontan ein Terminal, Codex oder irgendein Linux-Experiment gebraucht wird:
ThinkPad ist da.
Das Ding wird auf irgendwelche improvisierten Laptopständer gestellt, bekommt Kabel aus drei verschiedenen Richtungen und arbeitet weiter, als wäre das alles exakt so vom Hersteller vorgesehen.
Dazu der TrackPoint mitten auf der Tastatur.
Also praktisch das Zielsystem.
USS ThinkPad – NCC-2021.
Aufklärungsschiff.
Mobiles Kampfschiff.
Und vermutlich in der Lage, auch auf einem umgedrehten Getränkekasten noch eine produktive Arbeitsumgebung bereitzustellen.
USS Singularity-X7 – NCC-2020
Und dann gibt es noch das Kommandoschiff.
Die USS Singularity-X7.
Ein riesiger Koloss.
Hier passieren die Dinge, bei denen die beiden anderen Schiffe lieber etwas Abstand halten.
- Virtuelle Maschinen.
- Linux-Experimente.
- KI.
- Entwicklung.
- Projekte.
Und selbstverständlich die großartige Idee:
„Ich ändere nur kurz etwas.“
Ein Satz, nach dem auf diesem Rechner erfahrungsgemäß mindestens drei Terminals geöffnet werden und irgendwo ein neuer Ordner namens test-final-neu2 entsteht.
Die Singularity ist nicht für subtile Aufgaben gebaut.
Sie ist das Schiff, das man ruft, wenn man ein Problem lösen möchte, indem man einfach mehr Rechenleistung darauf wirft.
Und wer kommandiert diesen Unsinn?
Auf der Brücke sitzt natürlich:
Captain Kirutin Kimura.
Seine wichtigste Qualifikation:
Eine beinahe übernatürliche Fähigkeit, unbekannte technische Kaninchenlöcher aus mehreren Lichtjahren Entfernung zu entdecken.
Daneben sitzt seine wesentlich vernünftigere Begleitung:
Navigatorin Miri Kimura.
Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, gelegentlich darauf hinzuweisen:
„Captain, das ist möglicherweise eine ausgesprochen schlechte Idee.“
Woraufhin der Captain selbstverständlich antwortet:
„Zur Kenntnis genommen. Warp 9.“
Und Miri seufzt.
Drei Schiffe. Ein Problem.
Eigentlich sind es einfach nur drei Computer.
Ein alter HP-Laptop.
Ein ThinkPad.
Und mein großer Rechner.
Aber seien wir ehrlich:
USS Pavilion – NCC-2011 klingt einfach wesentlich besser als „der alte HP“.
Und solange das Ding weiterhin moderne Linux-Desktops, Blur, Transparenz und Updates frisst, als wären sie ein kleiner Nachmittagssnack, hat es sich seinen Namen verdient.
Also:
Warpkern stabil.
Linux läuft.
Die Flotte ist einsatzbereit.
Und irgendwo vor uns befindet sich garantiert schon das nächste Rabbit Hole.
Captain Kimura?
Kurs setzen.
Natürlich. 🖖🐧🚀