Ich benutze jetzt seit ungefähr etwas über einer Woche NixOS.
Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich begeistert, irritiert oder einfach nur leicht beschädigt im Kopf bin.
Die ersten Tage waren noch richtig spannend. System kennenlernen, configuration.nix aufräumen, Module bauen, Flakes aktivieren, Git einrichten, Aliases basteln, Hyprland und Noctalia sauber einbinden und nebenbei herausfinden, ob NixOS eigentlich ein Betriebssystem oder ein sehr gut getarnter Logiktest ist.
Das war alles neu. Anders. Sperrig. Faszinierend. Teilweise auch ein bisschen so, als würde man versuchen, ein IKEA-Regal nach einer Bauanleitung aus Mathematik zusammenzuschrauben.
Aber dann kam der komische Teil.
Jetzt läuft das Ding einfach
Kernel-Update? Läuft.
NVIDIA? Läuft.
Hyprland? Läuft.
Noctalia? Läuft.
Upgrade? Neue Generation gebaut, getestet, gebootet, fertig.
Und falls nach einem Upgrade doch mal irgendwas nicht laufen sollte, liegt daneben einfach die alte Realität im Bootmenü und wartet entspannt darauf, wieder benutzt zu werden.
Diese Realität war doof. Ich nehme die davor.
Das ist objektiv betrachtet natürlich großartig. Eigentlich sogar ziemlich genial. Man baut sich nicht einfach nur ein System, sondern ganze Systemzustände. Und wenn einer davon Mist ist, bootet man eben den vorherigen.
Linux als Paralleluniversum mit Rückgaberecht.
Aber wo ist das Feuer?
Und genau da fängt mein Problem an.
Es brennt nichts.
Es explodiert nichts.
Kein spontaner TTY-Bossfight. Kein „Warum ist mein Desktop weg?“-Morgenritual. Kein panisches Suchen nach irgendeiner UUID, die sich heimlich entschieden hat, heute nicht mehr sie selbst zu sein.
Bei anderen Systemen fühlt sich ein kaputtes Update manchmal an wie ein kleiner Wohnungsbrand. Man steht da, riecht Rauch, sieht irgendwo den Bootloader husten und denkt sich: „Okay, dann wollen wir mal.“
Bei NixOS ist es eher:
Neue Generation kaputt? Kein Stress. Die alte steht noch daneben und hat Kaffee gekocht.
Und ja, ich weiß. Das ist ein Luxusproblem. Ein sehr dummes sogar.
Aber subjektiv sitze ich davor und denke mir:
Das ist ja sterbenslangweilig. Wo ist das Drama? Wo ist das Feuer? Wo ist diese fiese Linux-Schadensfreude?
Vielleicht bin ich noch zu frisch für Ruhe
Ich weiß, ich bin noch ziemlich neu in der Linuxwelt.
Und genau deshalb finde ich die ganzen verschiedenen Distributionen, Konzepte und Möglichkeiten immer noch mega spannend. Debian hier, CachyOS da, Fedora dort, Void, Slackware, Gentoo, NixOS, Hyprland, KDE, Distrobox, Flatpak, Snapshots, Bootloader, Init-Systeme. Das ist wie ein riesiger Technik-Spielplatz, auf dem überall kleine Schilder stehen mit: „Bitte nicht anfassen.“
Was natürlich exakt der Moment ist, in dem mein Kopf sagt:
Interessant. Was passiert, wenn ich es doch anfasse?
Vielleicht liegt es genau daran, dass ich ein funktionierendes Linux-System auf Dauer irgendwie langweilig finde. Da ist plötzlich kein Kampf mehr. Kein Dungeon. Kein Bossraum. Nur noch Betrieb.
Und Betrieb ist gut. Betrieb ist wichtig. Betrieb ist das, was man eigentlich haben will.
Aber mein innerer kleiner Linux-Goblin sitzt daneben und flüstert:
Ja okay, aber Gentoo schielt schon.
NixOS ist nicht langweilig. Es nimmt mir nur das Feuerzeug weg.
Das Gemeine ist: NixOS ist nicht langweilig, weil es wenig kann. Ganz im Gegenteil. Es kann verdammt viel. Es denkt nur anders.
Statt „ich installiere mal schnell irgendwas und hoffe, dass es morgen noch lebt“ ist es eher:
- ändern
- bauen
- testen
- anwenden
- committen
- zurückrollen können
Das ist nicht weniger mächtig. Es ist kontrollierter.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, der sich für mich gerade so ungewohnt anfühlt. Ich habe in den letzten Monaten so viele Systeme ausprobiert, repariert, umgebaut, zerlegt und wieder zusammengeschraubt, dass ein System, das einfach ruhig weiterläuft, fast verdächtig wirkt.
Als würde Linux plötzlich erwachsen werden und ich stehe daneben mit Schraubenzieher und frage:
Und was mache ich jetzt?
Vielleicht ist das die eigentliche Lektion
Vielleicht muss ein Betriebssystem gar nicht ständig der Endgegner sein.
Vielleicht darf es auch einfach mal die Basisstation sein. Der Ort, von dem aus man andere bekloppte Dinge macht. KWin-Tiling-Scripts in einer VM bauen. Alte Laptops mit Hyprland quälen. Blogartikel schreiben. Distroboxen züchten. Dinge lernen, ohne jedes Mal das eigene Hauptsystem in Brand zu setzen.
Das ist eigentlich ziemlich gut.
Nur eben auch ein bisschen langweilig.
Und vielleicht ist das okay.
NixOS nimmt mir nicht das Basteln weg. Es nimmt mir nur das Gefühl, dass jeder Fehler direkt ein Wohnungsbrand werden muss.
Das System brennt nicht mehr.
Frechheit eigentlich.