
Ich wollte Kubuntu eigentlich nur kurz testen.
Das ist natürlich ein Satz, der bei mir ungefähr denselben Wahrheitsgehalt hat wie:
„Ich gucke nur kurz, ob das Update durchläuft.“
Oder:
„Ich installiere diese Distro nur mal nebenbei und danach bin ich fertig.“
Also gar keinen.
Denn aus „nur kurz testen“ wurden mittlerweile ungefähr sechseinhalb Wochen auf meinem Hauptsystem. Und das ist bei mir keine Kleinigkeit. Das ist kein normaler Zeitraum. Das ist kein „läuft halt seit gestern“-Ding.
Das ist bei meinem Mainrig ungefähr so, als würde eine Pflanze in Mordor anfangen zu blühen.
Mein Mainrig hat mehr Distros gesehen als manche Menschen Urlaubsorte
Bevor Kubuntu hier einzog, war mein Rechner nicht gerade ein ruhiger Ort.
Die erste Linux-Distribution auf meinem Mainrig war Pop!_OS. Danach ging es relativ schnell weiter durch das große Linux-Buffet:
Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu, Lubuntu, Linux Mint, openSUSE Tumbleweed, CachyOS, EndeavourOS, Debian, NixOS, Fedora Spins, Bazzite, Ultramarine, ZorinOS und noch ein ganzer Haufen anderer Systeme.
Insgesamt dürften es grob um die fünfzig Distributionen gewesen sein.
Ja, fünfzig.
Andere Menschen sammeln Briefmarken, ich sammle Bootloader-Traumata.
Die meisten dieser Systeme haben nicht lange gehalten. Manche waren nach wenigen Stunden wieder weg. Manche durften ein paar Tage bleiben. ZorinOS und Linux Mint haben jeweils ungefähr sechs Tage geschafft. Ubuntu hielt mal anderthalb Wochen durch. openSUSE Tumbleweed durfte zwei Wochen einziehen. EndeavourOS hielt sich etwa eine Woche. NixOS kam auf ungefähr zweieinhalb Wochen. CachyOS war mit dreieinhalb Wochen schon fast eine feste Beziehung.
Und dann kam Kubuntu.
Eigentlich nur zum Testen.
Natürlich.
Wie immer.
Der Anfang war nicht Liebe auf den ersten Boot
Fairerweise muss man sagen: Kubuntu hat anfangs gezickt.
Nicht dramatisch. Nicht „alles brennt und der Kernel spricht Latein“-dramatisch. Aber genug, dass ich erstmal dachte:
„Na wunderbar, KDE und NVIDIA führen schon wieder Beziehungsgespräche.“
Später stellte sich heraus: Bei der Installation waren die NVIDIA-Treiber nicht automatisch installiert worden.
Das ist natürlich so ein Moment, in dem man als Linux-Mensch sehr ruhig wird. Außen sitzt man da und schaut konzentriert auf den Bildschirm. Innen schreit ein kleiner Pinguin in eine Tupperdose.
Nachdem das geklärt war, lief es aber.
Und zwar nicht nur „es zeigt einen Desktop an“-lief.
Sondern wirklich: Es lief.
Dann habe ich angefangen, Kubuntu wie eine Werkbank zu benutzen
Ein normales System installiert man, richtet Programme ein, macht vielleicht ein Wallpaper rein und freut sich.
Ich hingegen dachte mir offenbar:
„Mal sehen, wie viel man einem LTS-System zumuten kann, bevor es einen Anwalt einschaltet.“
Also bekam Kubuntu nach und nach den vollen Kiru-Parcours.
Ich habe Kernel selbst kompiliert. Nicht einen. Nicht zwei. Sondern sechs.
Ich habe Hyprland darauf losgelassen.
Ich habe Noctalia darauf ausprobiert.
Ich habe bleeding-edge NVIDIA-Treiber per .run-Installer getestet, was ungefähr so ist, als würde man einem funktionierenden Desktop sagen:
„Du wirkst heute etwas zu stabil. Wollen wir das ändern?“
Ich habe Distrobox und Docker eingerichtet, weil man ja irgendwo Quatsch machen muss, ohne direkt das Wohnzimmer anzuzünden.
Ich habe VMs laufen lassen.
Ich habe einen kompletten Gaming-Stack installiert.
Ich habe Stability Matrix, LM Studio, Whisper und Pinokio.ai als KI-Spielwiese eingerichtet.
Ich habe btrfs mit sinnvollen Subvolumes benutzt und Snapper von Anfang an als Schutzschild eingerichtet.
Und weil mir das alles noch nicht genug war, bekam GRUB auch noch ein hübsches Wallpaper.
Man muss ja Prioritäten setzen.
Der 7.2-rc-Kernel und NVIDIA: eine Paartherapie in mehreren Akten
Letzte Woche dachte ich dann:
„Ach komm, gönnen wir Kubuntu mal einen Testkernel.“
Also bekam das System einen 7.2-rc-Kernel und die neuesten NVIDIA-Treiber.
Das ist nicht gerade die sanfte Wellness-Massage unter den Linux-Experimenten. Das ist eher so, als würde man seinem System einen Kaffee, drei Energy-Drinks und einen Schraubenzieher geben und sagen:
„Mach was draus.“
Natürlich lief nicht alles komplett glatt.
initramfs musste ein paar Mal freundlich daran erinnert werden, dass es existiert und vielleicht bauen möchte. NVIDIA und der Testkernel hatten auch kurz diese Stimmung von zwei Menschen, die sich auf einer Familienfeier begegnen und beide wissen, dass sie sich nicht mögen.
Aber: Es war lösbar.
Und das ist der wichtige Punkt.
Es war nicht schön. Es war nicht elegant. Es war nicht diese Art von „Linux ist so einfach, meine Oma kompiliert morgens Kernel zum Frühstück“-Märchen.
Aber es war nachvollziehbar. Reparierbar. Greifbar.
Und irgendwann lief es.
Dann habe ich alles wieder von Hand zurückgeschraubt
Jetzt könnte man denken:
„Na gut, dann hat Snapper ihn halt gerettet.“
Aber nein.
Snapper war da. Snapper stand bereit. Snapper hatte quasi schon den Helm auf.
Benutzt habe ich es dafür aber nicht.
Ich habe den Spaß von Hand zurückgebaut.
Warum?
Weil ich offenbar ein Mensch bin, der bei einem funktionierenden Rettungsboot denkt:
„Ach, schwimmen geht bestimmt auch.“
Also wurden Kernel und Treiber wieder sauber zurückgedreht. Schritt für Schritt. Nicht spektakulär, aber mit dieser typischen Linux-Mischung aus:
- prüfen,
- fluchen,
- nachdenken,
- nochmal prüfen,
- kurz Kaffee holen,
- und dann merken, dass man vorhin eine Kleinigkeit übersehen hat.
Am Ende war das System wieder sauber.
Und es funktionierte einfach wieder wie am ersten Tag.
Das ist schon eine reife Leistung.
KDE hatte kurz vergessen, dass eine RTX 4070 existiert
Natürlich konnte der Rückbau nicht komplett ohne kleines Comedy-Intermezzo ablaufen.
Nach dem Zurückbauen hatte KDE nämlich kurz vergessen, dass es durch eine GPU gerendert werden sollte.
Also saß mein System da, mit einer RTX 4070 im Gehäuse, und KDE dachte sich offenbar:
„Ach, CPU-Software-Rendering reicht doch auch. Nostalgie ist wichtig.“
Das war so ein Moment, in dem man den Bildschirm anschaut und innerlich sehr ruhig sagt:
„Mein Freund. Du hast eine Grafikkarte. Benutz sie.“
Also habe ich KDE wieder beigebracht, dass da eine NVIDIA-Karte existiert. Die alten Treiber wurden wieder versöhnt. Plasma durfte wieder mit der GPU reden.
Und danach war wieder Ruhe.
Zumindest diese besondere Art von Linux-Ruhe, bei der man weiß: Es läuft, aber irgendwo in /var/log hustet bestimmt noch ein Dämon leise.
GRUB und EFI: kleine Ausflüge in die Bootloader-Unterwelt
Natürlich blieb es nicht bei Kernel und NVIDIA.
Ich habe GRUB mehrmals geschrottet.
Nicht aus böser Absicht. Nicht geplant. Eher so wie man aus Versehen eine Tasse vom Tisch fegt und danach sagt:
„Interessant. Das wollte ich nicht.“
Einmal habe ich sogar aus Versehen die EFI gekillt.
Also wirklich.
EFI weg.
Dieser kleine Moment, in dem der Rechner beim Starten ungefähr sagt:
„Betriebssystem? Kenn ich nicht. Viel Glück.“
Und dann sitzt man davor und denkt:
Ja gut. Dann bauen wir die EFI halt neu.
Was soll man auch sonst machen? Weinen ist schlecht für die Tastatur.
Also wurde auch das wieder repariert.
Kubuntu hat danach nicht beleidigt in der Ecke gesessen. Es hat nicht dramatisch die Hintergrundbilder gewechselt. Es hat nicht gesagt: „Ich brauche Abstand.“
Es hat einfach wieder gebootet.
Und das rechne ich ihm hoch an.
Warum genau ist ausgerechnet Kubuntu geblieben?
Das Komische ist: Kubuntu ist nicht geblieben, weil es das spektakulärste System war.
Es ist nicht geblieben, weil es die neuesten Pakete hatte.
Es ist nicht geblieben, weil es irgendeinen magischen Nerd-Orden trägt.
Es ist geblieben, weil es nach all dem immer noch funktioniert hat.
Und das klingt erstmal langweilig. Aber bei einem Hauptsystem ist langweilig manchmal kein Makel, sondern ein Feature.
Ich brauche auf meinem Mainrig kein Betriebssystem, das mir jeden Morgen eine neue philosophische Frage stellt.
Ich brauche kein System, das nach einem Update plötzlich sagt:
„Übrigens, dein Audio ist jetzt ein soziales Experiment.“
Ich brauche ein System, das ich quälen kann, ohne dass es sofort seine Wohnung kündigt.
Und genau das macht Kubuntu gerade erstaunlich gut.
Kubuntu ist nicht unkaputtbar. Aber es ist gut reparierbar.
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt.
Kubuntu ist nicht magisch.
Ich will hier nicht so tun, als hätte ich ein unzerstörbares Betriebssystem gefunden, das selbst nach einem sudo rm -rf / noch höflich fragt, ob es Kaffee kochen soll.
Natürlich kann man Kubuntu kaputt machen.
Ich habe es ja versucht.
Mehrfach.
Mit Hingabe.
Aber der Unterschied ist: Ich konnte es wieder geradebiegen.
Die Probleme waren nicht völlig undurchsichtig. Die Basis war vertraut genug. Die Werkzeuge waren da. Die Dokumentation war auffindbar. Und wenn etwas kaputtging, fühlte es sich selten nach schwarzer Magie an.
Eher nach:
„Okay, du hast wieder Linux gemacht. Jetzt räum auf.“
Und genau das ist für mich inzwischen wichtiger als diese theoretische Reinheit, über die man in Linux-Diskussionen so gerne redet.
Ein System muss nicht perfekt sein.
Aber es muss mit mir leben können.
Und das ist, zugegeben, keine kleine Anforderung.
Mein Fazit nach sechseinhalb Wochen
Kubuntu ist auf meinem Hauptsystem aktuell die Distribution, die am längsten durchgehalten hat.
Das allein ist schon absurd.
Nach ungefähr fünfzig Distros, nach Pop!_OS, Ubuntu, Mint, openSUSE, Fedora, Bazzite, NixOS, CachyOS und all den anderen Kandidaten bleibt ausgerechnet Kubuntu sitzen und sagt:
„Ich bin noch da.“
Und ja, vielleicht ist das genau der Punkt.
Kubuntu versucht nicht, mich jeden Tag zu beeindrucken.
Es macht nicht ständig auf „ich bin die Zukunft des Desktops“.
Es ist einfach da.
Mit KDE. Mit Ubuntu-Basis. Mit btrfs. Mit Snapper als Sicherheitsnetz, auch wenn ich es diesmal nicht benutzt habe. Mit NVIDIA, nachdem man ihm erklärt hat, dass die Grafikkarte bitte nicht nur Dekoration ist.
Und während ich Kernel kompiliere, GRUB zerlege, EFI neu baue, Hyprland teste, Noctalia starte, Docker und Distrobox befülle, KI-Tools ausprobiere und nebenbei noch Spiele installiere, steht Kubuntu daneben wie ein leicht übermüdeter Werkstattleiter und murmelt:
„Solange du am Ende wieder aufräumst.“
Vielleicht ist Kubuntu nicht perfekt.
Vielleicht ist es nicht die aufregendste Distribution.
Vielleicht ist es nicht das System, mit dem man in Foren besonders dramatisch wedeln kann.
Aber es ist gerade mein Hauptsystem.
Und nach allem, was ich ihm angetan habe, ist das fast schon ein Ritterschlag.
Oder eine Warnung.
Wahrscheinlich beides.