Romance-Anime sind gefährlich.
Nicht, weil sie besonders komplex wären. Sondern weil sie einen mit den billigsten Tricks kriegen können: ein Blick zu lang, eine peinliche Pause, ein halber Satz, ein viel zu offensichtliches Missverständnis — und plötzlich sitzt man da und denkt:
„Boah, ist das dämlich. Ich gucke aber natürlich weiter.“
Diese Season hat davon gleich mehrere Kandidaten. Manche angenehm süß, manche überraschend stark, manche leicht nervig und einer davon ist… nun ja… Rent-a-Girlfriend.
I Want to End this Love Game
Fangen wir mit I Want to End this Love Game an.
Die Grundidee ist herrlich bescheuert: Zwei Sandkastenfreunde spielen seit ihrer Kindheit ein Liebesspiel. Sie sagen sich gegenseitig „I love you“, und wer zuerst verlegen wird, verliert. Was als kindischer Spaß beginnt, wird bis in die Oberschulzeit weitergeschleppt — nur dass inzwischen natürlich längst echte Gefühle im Spiel sind.
Und genau da funktioniert der Anime.
Er bedient fast jedes Romance-Klischee, das man kennt: gegenseitiges Necken, falscher Stolz, Herzklopfen, peinliche Nähe, „wir sind doch nur Freunde“-Selbstbetrug. Aber er macht das mit genug Charme, dass man nicht einfach abschaltet. Man sitzt eher davor wie ein genervter Zuschauer bei einem sehr offensichtlichen Unfall:
„Ihr seid beide verliebt. Jeder sieht es. Sogar der Tisch sieht es. Nur ihr nicht.“
Das ist gleichzeitig süß, dämlich und erstaunlich effektiv. Kein Meisterwerk der Subtilität, aber ein sehr brauchbarer kleiner RomCom-Zirkus, bei dem man wissen will, wann diese zwei emotionalen Vollidioten endlich aufhören, sich hinter ihrem Spiel zu verstecken.
Gals Can’t Be Kind to Otaku!?
Gals Can’t Be Kind to Otaku!? fährt dagegen eine ganz andere Schiene.
Hier haben wir keinen Kindheitsfreunde-Liebeskrieg, sondern: zwei Gals, ein Otaku und ein Anime, der sie verbindet. Klingt erstmal nach typischem Wunschtraum für Leute, die schon bei „beliebtes Mädchen interessiert sich für Nerd-Kram“ schwach werden.
Und ja, natürlich ist da Wunschfantasie drin.
Aber überraschenderweise funktioniert es trotzdem, weil der Anime nicht nur sagt: „Haha, Gal mag Otaku, wie verrückt“, sondern langsam zeigt, wie aus zufälligen Gesprächen eine echte Verbindung entsteht. Das Absurde daran ist gerade das Schöne: Zwei Welten, die auf dem Papier nicht zusammenpassen, finden über ein gemeinsames Interesse zueinander.
Der Otaku ist nicht einfach nur der stille Platzhalter fürs Publikum, und die Gals sind nicht nur Deko mit Nagellack. Zumindest bisher wirkt die Dynamik ehrlich genug, dass man mitgeht. Da entsteht Freundschaft, vielleicht mehr, aber vor allem erstmal dieses schöne Gefühl von:
„Oh. Die mögen sich wirklich. Nicht weil das Genre es verlangt, sondern weil es zwischen ihnen langsam Sinn ergibt.“
Für mich ist das einer der sympathischeren Titel der Season. Nicht tief wie ein psychologischer Roman, aber charmant, warm und mit einer Grundidee, die trotz Anime-Absurdität erstaunlich nachvollziehbar bleibt.
I Made Friends with the Second Prettiest Girl in My Class
Dann ist da I Made Friends with the Second Prettiest Girl in My Class.
Schon der Titel klingt wie etwas, das man eigentlich direkt anzeigen sollte. „Second Prettiest Girl“ — als hätte jemand im Klassenraum eine offizielle Schönheitsrangliste geführt und Excel geöffnet.
Aber der Anime ist besser als sein Titel.
Im Kern geht es um einen unscheinbaren Typen mit eher eigenem Geschmack und ein Mädchen, das nach außen beliebt und hübsch wirkt, aber eben nicht einfach nur „die hübsche Mitschülerin“ ist. Der gemeinsame Nenner sind ihre Interessen, ihr etwas anderer Blick auf Dinge und dieses leise Gefühl, dass zwei Menschen sich nicht wegen großer Gesten finden, sondern weil sie plötzlich im selben kleinen seltsamen Eck des Lebens sitzen.
Was mir daran gefällt: Der Anime wirkt bodenständiger als viele andere Romance-Titel. Natürlich gibt es auch hier typische Anime-Situationen, aber die Konflikte fühlen sich näher am Teenagerleben an. Unsicherheit, Eifersucht, Freundeskreise, Selbstwert, das Gefühl, nicht ganz in die Rolle zu passen, die andere einem geben — das hat mehr Substanz, als der Titel vermuten lässt.
Ich weiß nicht einmal genau, warum er bei mir so stark klickt. Vielleicht gerade, weil er nicht so laut um Aufmerksamkeit bettelt. Er kommt eher unscheinbar rein, setzt sich daneben und ist plötzlich der Titel, auf den ich mich am meisten freue.
Für mich bisher mein Romance-Favorit der Season.
Nicht weil er alles neu erfindet. Sondern weil er die kleinen Dinge ernst nimmt.
The Angel Next Door Spoils Me Rotten
Bei The Angel Next Door Spoils Me Rotten bin ich zwiegespalten.
Die erste Staffel hatte für mich genau diesen Reiz: ruhig, warm, entspannt. Eine Romance, die nicht ständig schreien muss, dass sie Romance ist. Sie lebte von kleinen Gesten, langsamer Nähe und diesem gemütlichen „zwei Menschen bauen Vertrauen auf“-Gefühl.
Und dann kommt die neue Staffel und haut mir schon in der ersten Folge ein paar typische Anime-Szenen vor die Füße, bei denen mein innerer Ruhepuls direkt gekündigt hat.
Wichtig: Ich sage nicht, dass der Anime schlecht geworden ist.
Er ist immer noch angenehm. Er ist immer noch süß. Wer genau diese Zuckerwatte-Romantik liebt, wird wahrscheinlich weiterhin glücklich sein. Aber für mich wurde etwas angekratzt. Dieses ruhige, fast schon intime Gefühl der ersten Staffel hatte plötzlich mehr Genre-Gekicher im Raum stehen, als mir lieb war.
Ich werde ihn weiter genießen, keine Frage. Aber diese Season landet er bei mir nicht in den Top 3.
Dafür hat er mir zu früh das Gefühl gegeben:
„Bitte nicht. Ihr wart doch gerade noch so schön leise.“
Rent-a-Girlfriend Staffel 5
Und dann ist da noch Rent-a-Girlfriend Staffel 5.
Oder anders gesagt:
Der Anime, der einfach nicht sterben will.
Ich weiß, die Serie hat Fans. Ich weiß auch, dass sie offenbar erfolgreich genug ist, um immer weiterzugehen. Aber für mich ist der Punkt längst überschritten, an dem ich noch ernsthaft Geduld dafür habe.
Meiner Meinung nach hätten zwei Staffeln vollkommen gereicht.
Irgendwann wird aus „komplizierte Gefühle“ einfach nur Stillstand mit hübschen Charakterdesigns. Immer dieselbe Leier. Kein richtiges Vor, kein richtiges Zurück. Kazuya leidet, Chizuru bleibt emotional im Nebel, Nebenfiguren werfen Drama rein, und am Ende fühlt es sich an, als hätte die Handlung einmal im Kreis gedriftet und wieder auf demselben Parkplatz eingeparkt.
Das kann man machen.
Ich muss es nur nicht mehr gucken.
Also: geskippt.
Nicht aus Hass. Eher aus Selbstschutz.
Mein Zwischenfazit
Diese Romance-Season ist für mich erstaunlich brauchbar.
I Want to End this Love Game ist der charmante Blödsinn mit Herzklopfen und zwei Figuren, die emotional gleichzeitig gewinnen und verlieren.
Gals Can’t Be Kind to Otaku!? ist die warme Otaku-Gal-Freundschaftsnummer, die absurder klingt, als sie sich anfühlt.
I Made Friends with the Second Prettiest Girl in My Class ist mein Favorit, weil er leiser, ehrlicher und teenagermäßig greifbarer wirkt, als sein viel zu langer Titel erwarten lässt.
The Angel Next Door Spoils Me Rotten bleibt süß, verliert für mich aber etwas von der ruhigen Magie, die ich an der ersten Staffel mochte.
Und Rent-a-Girlfriend?
Das ist inzwischen wie eine Ex, die immer wieder schreibt:
„Hey, hast du kurz Zeit? Ich habe mich nicht verändert.“
Nein, habe ich nicht.
Und genau deshalb gehe ich nicht ran. 😄