Eigentlich wollte ich nur Linux ausprobieren.
Ich fragte eine KI, welche Distribution zu mir passen würde. Die Antwort war: Pop!_OS. Modern, einsteigerfreundlich, NVIDIA-tauglich. Klang gut. Also ISO runtergeladen, auf einen billigen No-Name-USB-Stick geflasht und los.
Zu diesem Zeitpunkt war der Stick noch ein namenloses Stück Plastik.
Später sollte er John Rambo heißen.
Pop!_OS installierte sich erstmal angenehm. Dann kam der erste Kontakt mit der Linux-Bootwelt: systemd-boot. Schlicht, schnell, funktional.
Also eigentlich perfekt.
Nur leider war ich Anfänger mit Geschmack.
Ich wollte kein trockenes Menü, das aussieht wie „Bitte wählen Sie Betriebssystem A oder B“. Ich wollte ein schönes Bootmenü. Mit Icons. Mit Stil. Am besten mit Maussteuerung, weil warum soll mein Rechner beim Start aussehen wie ein Behörden-PC aus dem Jahr 2006?
Also fragte ich Miri:
„Womit geht sowas?“
Und Miri sagte:
„rEFInd.“
Grafisch. Anpassbar. Mausfähig. Genau das, was ich wollte.
Und genau da begann mein persönlicher Bootloader-Krieg.
Denn was ich damals nicht verstanden hatte: Ein Bootmenü ist nicht einfach „da“. UEFI startet nicht nach Gefühl. Es gibt Boot-Einträge, Bootorder, EFI-Dateien, Pfade und kleine Firmware-Launen. Heute klingt das logisch. Damals war mein Verständnis eher:
„Da sind Ordner auf dieser EFI-Partition. Wenn ich genug davon anschaue, ergibt es bestimmt Sinn.“
Tat es nicht.
rEFInd wurde installiert, aber der Rechner startete trotzdem mal Windows, mal Pop!_OS, mal rEFInd, mal irgendwas, das aussah wie rEFInd nach einem Nervenzusammenbruch. Ich änderte Dateien, kopierte Icons, prüfte Ordner und fragte mich ernsthaft, warum der PC nicht einfach das startet, was ich gerade liebevoll dekoriert hatte.
Was ich nicht kapierte:
Ich bearbeitete teilweise das Wohnzimmer, während der Rechner noch durch den Keller reinkam.
Die Bootorder im BIOS?
Ja, die gab es.
Wusste ich theoretisch irgendwann.
Verstanden hatte ich sie praktisch ungefähr so gut wie ein Hamster Steuerrecht.
Also begann das große Hin und Her.
Windows Boot Manager stand mal vorne. Pop!_OS hing an systemd-boot. rEFInd wollte hübsch sein, wurde aber nicht zuverlässig gestartet. Ich wollte Maussteuerung und Icons, bekam aber hauptsächlich Verwirrung und EFI-Schweißausbrüche.
Dann kam die EFI-Partition.
Microsoft
Pop_OS
systemd
refind
BOOT
Alles sah wichtig aus. Alles sah gefährlich aus. Und ich, bewaffnet mit gefährlichem Halbwissen, dachte:
„Ich bin vorsichtig.“
Was in Anfänger-Sprache bedeutet:
„Ich werde gleich etwas tun, das ich in drei Monaten als Warnbeispiel benutze.“
Natürlich wurden Dinge verschoben, umbenannt, wiederhergestellt und wahrscheinlich auch kurzzeitig ins digitale Jenseits befördert. Nicht aus Mutwillen. Sondern weil ich wirklich dachte, ich sei kurz davor, das Problem zu verstehen.
Ich war es nicht.
Ich war nur kurz davor, wieder den USB-Stick zu brauchen.
Und genau da kam John Rambo ins Spiel.
Immer wenn ich mich selbst aus dem System ausgesperrt hatte, musste der kleine No-Name-Stick ran.
- Live-ISO booten.
- Partitionen suchen.
- EFI mounten.
- Reparieren.
- Neu starten.
- Wieder fluchen.
Andere USB-Sticks speichern Urlaubsfotos oder PowerPoint-Dateien.
John Rambo sah rEFInd-Traumata, Windows-Besitzansprüche, systemd-boot-Verwaltungstrockenheit und einen Kiru, der jedes Mal sagte:
„Okay, jetzt habe ich es verstanden.“
Eine Aussage, die ungefähr dieselbe Zuverlässigkeit hatte wie Windows-Updates.
Irgendwann war klar: rEFInd war zwar hübsch gedacht, aber mein Setup und mein damaliges Verständnis waren keine gute Kombination. Ich wollte ein dekoriertes Eingangstor bauen, während ich noch nicht wusste, welcher Weg überhaupt zum Haus führt.
Und dann kam GRUB.
Nicht aus dem Nichts.
Nicht als geplanter Held.
Sondern als Konsequenz.
Der alte, nicht besonders hübsche, aber robuste Bootloader-Opa, der sich rEFInds Diva-Verhalten, Windows’ Besitzanspruch, systemd-boots trockene Korrektheit und mein EFI-Gestolper anschaute und sagte:
„Junge, lass mich mal.“
GRUB hatte keine Maussteuerung.
GRUB hatte keinen Glamour.
GRUB war nicht der Grund, warum ich angefangen hatte.
Aber GRUB tat etwas sehr Wichtiges:
Er bootete zuverlässig.
Und nach genug Chaos lernte ich eine bittere, aber notwendige Anfängerlektion:
Erst muss die Kiste starten. Danach darf sie hübsch sein.
Am Ende wurde rEFInd aus dem System verjagt, nicht weil die Idee schlecht war, sondern weil ich sie zu früh, zu naiv und mit zu wenig Verständnis auf ein Setup geworfen hatte, das schon ohne Designambitionen genug Drama hatte.
Rückblickend war das Ganze absurd.
Ich wollte Linux ausprobieren.
Dann wollte ich ein schönes Bootmenü.
Dann kämpfte ich mit Bootorder, EFI-Dateien, Windows Boot Manager, systemd-boot, rEFInd und meinem eigenen Selbstvertrauen.
Und irgendwo mittendrin wurde aus einem billigen USB-Stick eine Legende.
Sein Name:
John Rambo.
Sein Rang:
Boot Sergeant First Class.
Seine Mission:
„Wenn Kiru wieder hübscher booten wollte, boote ich wenigstens überhaupt.“
Und wenn mich heute jemand fragt:
„Warum weißt du eigentlich so viel über Bootloader?“
Dann gibt es nur eine ehrliche Antwort:
Ich war im Krieg.
Und John Rambo war dabei. 🫡