
Manche Menschen haben einfach Gedanken.
Ich habe eher ein inneres Betriebssystem mit leicht nervösem Paketmanager.
Da kommt nicht einfach irgendeine Meinung in meinen Kopf und bleibt da gemütlich sitzen wie ein zufriedener Kater auf der Fensterbank.
Nein.
Mein Gehirn macht daraus erstmal eine kleine interne Systemprüfung.
Ist das wirklich so?
Fehlt da Kontext?
Ist das übertrieben?
Ist das nur Bauchgefühl?
Gibt es Gegenargumente?
Ist das mit meinen anderen Gedanken kompatibel oder kracht das gleich beim nächsten Reboot?
Kurz gesagt:
Ich denke nicht einfach.
Ich prüfe sogar meine eigenen Gedanken auf Paketkonflikte.
Mein Kopf ist kein ruhiger Ort
Es gibt Menschen, die treffen eine Entscheidung und gehen dann entspannt ihres Weges.
Ich treffe eine Entscheidung und habe innerlich direkt drei offene Tabs, zwei Warnmeldungen und einen kleinen Prozess im Hintergrund, der flüstert:
„Bist du sicher, dass das die beste Lösung ist?“
Selbst wenn ich eigentlich schon weiß, was ich denke, kommt oft noch dieser zweite kleine Prüfer hinterher und fragt:
„Ja schön, aber was ist mit der Gegenseite?“
Das ist einerseits anstrengend.
Andererseits bewahrt es mich auch regelmäßig davor, kompletten Quatsch für eine brillante Erkenntnis zu halten.
Was bei mir ehrlicherweise kein völlig unrealistisches Risiko wäre.
Selbstzweifel, aber mit Struktur
Das Gemeine ist ja:
Dieser Modus ist nicht nur nervig, sondern manchmal sogar nützlich.
Wenn irgendwo jemand selbstbewusst Unsinn erzählt, springt mein Kopf relativ schnell an und wedelt innerlich mit der roten Fahne.
Wenn ich selbst Unsinn rede, leider auch.
Das heißt, ich bin nicht nur misstrauisch gegenüber dem Internet, Foren, Kommentaren und fremden Meinungen.
Ich bin auch mein eigener kleiner Qualitätsprüfer.
Romantisch ist das nicht.
Hilfreich manchmal schon.
Es ist im Grunde, als hätte mein Kopf beschlossen, dass spontane Gedanken nur nach erfolgreicher Plausibilitätsprüfung freigegeben werden.
Vielleicht ist das auch gar nicht das Schlechteste
Klar, manchmal wäre es schön, wenn mein Gehirn einfach mal kurz die Füße hochlegt und nicht aus jedem inneren Satz eine kleine Debian-Diskussion macht.
Aber ganz ehrlich:
Lieber so, als jeden Unsinn sofort als Wahrheit zu adoptieren, nur weil er nett formuliert wurde oder sich für drei Minuten richtig angefühlt hat.
Ein bisschen Hinterfragen schadet nicht.
Manchmal ist es sogar das Einzige, was verhindert, dass man emotionalen Blödsinn mit Überzeugung verwechselt.
Und falls ich dabei gelegentlich anstrengend wirke:
Ja.
Wahrscheinlich.
Aber immerhin bin ich dann auf eine strukturierte Art anstrengend.
Fazit
Andere Menschen overthinken vielleicht.
Ich mache eher inneres Dependency-Management.
Nicht immer elegant.
Nicht immer entspannt.
Aber meistens mit dem ehrlichen Versuch, am Ende keinen kaputten Gedankensalat zu produzieren.
Und wenn ich ehrlich bin, passt das leider erschreckend gut zu mir.
Ich bin eben ein Mensch mit zu vielen Tabs im Kopf.
Und manchmal prüfe ich sogar meine eigenen Gedanken auf Paketkonflikte.