Es gibt diesen Moment nach einem langen Linux-Bossfight, in dem eigentlich alles gut sein müsste.

NixOS war eingerichtet.
Die Configs lagen sauber auf Codeberg.
CachyOS war als Main-System abgelöst.
Hyprland funktionierte.
Noctalia sah hübsch aus.
Der ganze Maschinenraum hatte plötzlich Schilder, Regale und sogar einen halbwegs plausiblen Fluchtweg.

Und dann passierte etwas Unerwartetes.

Es wurde ruhig.

Nicht friedlich im spirituellen Sinn. Eher ruhig wie ein Serverraum nach Mitternacht, in dem man plötzlich jedes kleine Summen hört und sich fragt, ob das normal ist oder gleich etwas teuer wird.

Mein Kopf so:

„Moment. Brennt gerade gar nichts? Ist das erlaubt?“

Und weil Kiru offenbar kein Zustand ohne leichten Kabelgeruch dauerhaft aushält, dachte ich mir:

Probieren wir doch mal etwas Altbewährtes.
Etwas, das in meiner Vergangenheit unter meiner Feder zuverlässig Funken geworfen hat.

Ich rede von Ubuntu.

Genauer gesagt: Kubuntu.

Und es hat mich nicht enttäuscht.


Kubuntu sagte Hallo. NVIDIA sagte Kunst.

Der erste Kontakt war direkt sehr ehrlich.

Ich hatte angenommen, Kubuntu würde die NVIDIA-Treiber ähnlich geschmeidig mitbringen wie Ubuntu. Also so im Sinne von: installieren, starten, Desktop sehen, leben.

Nope.

Statt Desktop gab es moderne Kunst auf dem Bildschirm.

Nicht hübsche moderne Kunst. Eher diese Sorte Museumsausstellung, bei der man vor einem kaputten Monitor steht und ein Schild daneben behauptet: „Fragmentierte Wahrnehmung im postdigitalen Raum.“

Ich stand davor und dachte:

„Ah. Also doch wieder Charakterentwicklung.“

Fairerweise: Das war kein Weltuntergang. Es war eher dieser klassische Linux-Moment, bei dem man merkt, dass die eigene Annahme mal wieder mit Anlauf gegen eine Glastür gelaufen ist.

Kubuntu war nicht böse.
Kubuntu war nicht kaputt.
Kubuntu sagte nur sehr trocken:

„Du dachtest, ich mache das alles automatisch? Süß.“

Also Treiber nachgezogen, System beruhigt, weitergemacht.

Normaler Mensch hätte danach gesagt: Gut, jetzt läuft es. Nicht anfassen.

Ich leider nicht.


GRUB: Weil ein Bootloader natürlich ein Wallpaper braucht

Kiru wäre nicht Kiru, wenn er beim Bootloader nicht direkt gedacht hätte:

„Das funktioniert. Aber könnte es nicht schöner funktionieren?“

Und genau da beginnt meistens das Drama.

Nicht bei den großen Entscheidungen.
Nicht bei „welche Distro nehme ich?“
Nicht bei „welcher Kernel?“
Nein.

Bei mir beginnt es gerne bei solchen absolut notwendigen Fragen wie:

„Kann GRUB nicht auch ein bisschen hübsch sein?“

Natürlich kann GRUB hübsch sein.
Natürlich kann man Themes einbauen.
Natürlich kann man Wallpaper setzen.
Natürlich kann man dabei auch den Bootloader zerschießen.

Zweimal.

Beim dritten Mal habe ich dann etwas getan, das man in Fachkreisen vermutlich als „kurzzeitig vernünftig“ bezeichnen würde: Ich habe das große Theme-Gefummel sein gelassen und GRUB nur ein schönes Wallpaper gegönnt.

Das lief.

Also halbwegs.

Also gut genug, dass mein System wieder startete und ich nicht mit Live-USB und innerem Schweißfilm vor dem Rechner saß.

Aber natürlich ist Versuch Nummer vier schon irgendwo in meinem Kopf in Planung.

Weil Lernen wichtig ist.
Und weil mein Selbsterhaltungstrieb manchmal aussieht wie ein schlecht gepflegtes Bash-Script.


KDE Plasma und mein kurzer Tiling-Feldversuch

Dann kam KDE.

Und ich muss sagen: KDE Plasma hat mich diesmal mehr abgeholt, als ich erwartet hatte.

Früher war KDE für mich immer ein bisschen schwierig. Taskleiste, Startmenü, Tray, Fenster, alles so ein bisschen Windows mit Pinguinjacke. Mein Kopf hatte da direkt Abwehrhaltung.

Aber diesmal war es anders.

Vielleicht, weil ich nach Hyprland besser verstanden habe, was ich eigentlich will.
Vielleicht, weil KDE inzwischen wirklich verdammt flexibel ist.
Vielleicht auch, weil mein Kopf einfach mal keine Lust hatte, jede Fensterbewegung als philosophische Prüfung zu behandeln.

Natürlich habe ich trotzdem nicht einfach KDE benutzt.

Nein.

Ich habe mir erstmal ein kleines KWin-Script basteln lassen. Tiling mit Dwindle. Scrolling-Funktion. Bei Scrolling sogar mit Mausrad wie bei Niri, inklusive Fenster mitnehmen.

Und das Verrückte ist:

Es funktionierte sogar recht gut.

Also richtig gut genug, dass man hätte sagen können:

„Nice. Das ist brauchbar. Lass es so.“

Aber dann meldete sich mein Kopf.

Nicht freundlich. Eher so im Lageristen-Tonfall, wenn jemand eine Palette quer in den Gang stellt.

„Du Depp. Benutz doch einfach mal die Layer von KDE.“

Und ja.

Ende vom Lied: Das KWin-Script liegt jetzt traurig in der Ecke rum, während jedes Arbeitsfenster sein eigenes Layout hat und ich mit fünf Aktivitäten herumspiele, als hätte KDE mir heimlich einen kleinen Desktop-Baukasten untergeschoben.

Da saß ich dann und dachte:

„Joa. KDE Plasma ist ja gar nicht so verkehrt.“

Nicht Hyprland-Freiheit.
Aber auch nicht dieses enge Desktop-Gefühl, bei dem man nach drei Einstellungen denkt, man müsste erst einen UX-Gottesdienst besuchen, um zu verstehen, warum etwas nicht geht.

KDE ist eher:

„Hier sind 900 Schalter. Viel Spaß. Bitte verlier dich nicht im Teppich.“

Und offenbar war genau das gerade okay.


Eine Woche Kubuntu und kaum Hyprland-Entzug

Das eigentlich Freche ist: Ich vermisse Hyprland gerade kaum.

Also nicht gar nicht.

Wenn ich mich kurz auf NixOS einlogge, um Updates zu machen, sehe ich Hyprland und Noctalia und mein Kopf macht sofort dieses kleine Geräusch, das man macht, wenn man an einem Schaufenster vorbeigeht und etwas sieht, das man eigentlich nicht braucht, aber sehr wohl haben möchte.

So ein leises:

„Uff. Schon hübsch.“

Aber bisher konnte ich widerstehen.

Ich benutze seit einer Woche brav Kubuntu.

Brav ist hier natürlich relativ. Ich habe den Bootloader zweimal zerschossen, ein KWin-Script bauen lassen, KDE-Layer entdeckt und dem System Dinge angetan, die normale Anwender wahrscheinlich nicht mal aus Versehen machen.

Aber im Vergleich zu meinen üblichen Linux-Nebenquests ist das fast schon Reha.

Warum Kubuntu?

Keine Ahnung.

Vielleicht, weil mein Kopf nach fünf Monaten Linux auf Dopamin einfach mal weniger Bossfight braucht.

Fünf Monate lernen, ausprobieren, hinfallen, aufstehen, Treiber anschauen, Hyprland bauen, Distroboxen basteln, NixOS verstehen, Configs sichern, Git nutzen, alles irgendwie immer noch ein bisschen weiterdrehen.

Irgendwann sagt auch der innere Paketmanager:

„Bruder, bitte kurz keine neue Abhängigkeit fürs Leben installieren.“

Und Kubuntu gibt mir gerade genau das.

Ein System, das nicht aufregend sein muss, um brauchbar zu sein.

Das klingt banal.
Ist es aber für meinen Kopf nicht.


Gaming, AI und der direkte Weg ins System

Weil einfach entspannt arbeiten natürlich nicht reicht, habe ich Kubuntu direkt einen kompletten Gaming- und AI-Stack gegönnt.

Man muss sich das vorstellen:

Mein Kopf sagt:
„Wir nehmen Kubuntu zur Ruhe.“

Auch mein Kopf, fünf Minuten später:
„Pack mal Gaming, AI, NVIDIA-Kram und lokale Tools direkt drauf.“

Normalerweise wäre mein Reflex: Distrobox.

Schön sauber.
Host ruhig.
Experimente in Container.
Alles hübsch getrennt, damit das Wohnzimmer nicht nach Werkstatt riecht.

Aber diesmal?

AI-Stack direkt aufs System.

Einfach rein damit.

Und was soll ich sagen?

Ich merke null Unterschied.

Was mich ehrlich gesagt nicht beruhigt, sondern eher beleidigt.

Da baut man sich über Monate ein sauberes Container-Weltbild, hält den Host wie ein kleines Porzellanschweinchen sauber, erklärt sich selbst, warum Trennung wichtig ist — und dann installiert man den Kram direkt und das System sagt:

„Joa. Läuft.“

Frech.

Ich weiß bis jetzt nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll.

Einerseits schön.
Andererseits nimmt es meinem inneren Ordnungssystem ein bisschen die dramatische Bühne.

Aber vielleicht ist genau das der Punkt.

Nicht jede Entscheidung muss sich anfühlen wie Architektur für ein Raumfahrtprogramm. Manchmal installiert man etwas, testet es, es läuft, und niemand ruft die Feuerwehr.

Unangenehm erwachsen.


Wenn Kubuntu brennt, dann meistens wegen mir

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis nach dieser ersten Woche:

Kubuntu wirkt auf mich gerade ziemlich entspannt.

Nicht perfekt. Nicht magisch. Nicht „endlich die eine Wahrheit“. Bitte nicht. Sobald man so denkt, steht irgendwo schon ein Update mit Sonnenbrille und Baseballschläger bereit.

Aber Kubuntu ist entspannt.

Und wenn es brennt, dann bisher nicht, weil Kubuntu beschlossen hat, mich zu ärgern.

Sondern weil ich beschlossen habe, Kubuntu zu ärgern.

Das ist ein Unterschied.

NVIDIA-Kunst? Teilweise eigene Annahme.
GRUB zerschossen? Ganz sicher eigene Schuld.
KWin-Script gebaut und dann ignoriert? Reiner Kiru-Klassiker.
AI-Stack direkt aufs System gekippt? Auch nicht gerade das Verhalten eines Mannes, der einfach nur Mails checken will.

Kubuntu steht daneben und sagt wahrscheinlich:

„Ich war hier nur installiert.“

Und das ist irgendwie fair.

Manchmal sucht man das Drama nicht, weil das System schlecht ist. Manchmal nimmt man ein relativ ruhiges System und bohrt Löcher rein, um zu schauen, ob dahinter noch mehr System ist.

Spoiler:

Dahinter ist meistens Wand.
Oder NVIDIA.


Vielleicht ist das gerade meine Linux-Pause

Ich glaube, Kubuntu trifft mich gerade an einem komischen Punkt.

Nicht am Anfang.
Nicht in der euphorischen „Oh mein Gott, Paketmanager!“-Phase.
Nicht mehr in diesem wilden Distrohopping-Zustand, wo jede ISO wie ein mögliches neues Leben wirkt.

Sondern nach NixOS.

Nach dem Punkt, an dem ich mir bewiesen habe:

Ich kann komplizierter.
Ich kann deklarativ.
Ich kann Configs sichern.
Ich kann mein System strukturieren.
Ich kann mich in Dinge reinbeißen, bis sie irgendwann aufgeben und funktionieren.

Und dann kommt Kubuntu um die Ecke und sagt:

„Du könntest auch einfach mal arbeiten.“

Unverschämtheit.

Aber vielleicht auch nötig.

Denn ich habe noch andere Projekte. Blog. Anime-Kram. Linux-Artikel. Kreativzeug. Dinge, die nicht jeden Abend im Maschinenraum enden müssen.

Vielleicht nimmt Kubuntu meinem Kopf gerade ein bisschen Basteltrieb weg, damit woanders wieder Energie frei wird.

Nicht, weil Basteln schlecht ist.

Basteln hat mich überhaupt erst so weit gebracht.

Aber wenn jedes System immer Quest, Bossfight und Experiment zugleich ist, bleibt irgendwann wenig Platz für das, was man mit dem System eigentlich machen wollte.

Schreiben zum Beispiel.

Oder Spielen.

Oder einfach mal eine Folge Anime schauen, ohne nebenbei zu überlegen, ob man das Dateisystem nicht doch nochmal sauberer aufteilen könnte.


Die verdächtige Ruhe bleibt erstmal

Also ja.

Bei mir läuft seit einer Woche Kubuntu.

Und es bringt mich tatsächlich irgendwie zur Ruhe.

Das irritiert mich.

Früher hätte Kubuntu bei mir vermutlich direkt Fluchtreflex ausgelöst. Zu normal. Zu Ubuntu-nah. Zu wenig „ich habe mein System in einem dunklen Terminalritual selbst heraufbeschworen“.

Heute fühlt es sich anders an.

Nicht wie Endstation.
Nicht wie endgültige Antwort.
Nicht wie „Kiru hat Linux gefunden und lebt nun glücklich bis zum nächsten LTS.“

Eher wie eine Pause.

Ein digitaler Stuhl am Wegesrand.

Ich sitze da, trinke Kaffee, schaue auf den ganzen Weg zurück und denke:

„Okay. Vielleicht muss heute wirklich mal nichts brennen.“

Natürlich glaube ich mir das selbst nur halb.

Der Moment, in dem Kubuntu wieder brennt, ist wahrscheinlich nicht weit. Entweder wegen NVIDIA, GRUB, KDE, AI, Gaming oder weil ich nachts um halb zwölf denke:

„Nur kurz was testen.“

Aber bis dahin?

Läuft es.

Und vielleicht ist genau das gerade die Pointe.

Nach Monaten Linux auf Dopamin macht Kubuntu etwas ziemlich Unverschämtes:

Es funktioniert.
Es nervt mich nicht.
Und es lässt genug Ruhe im Kopf, dass dieser Artikel überhaupt entstehen konnte.

Tja.

Dann schauen wir mal, was Woche zwei bringt.