Manchmal stolpert man über Technik, die einen völlig kalt lässt. Und manchmal stolpert man über Technik, bei der man sich fragt, warum man sie jahrelang unterschätzt hat.
Es gibt diese Funktionen, die man kennt.
Man weiß, dass es sie gibt.
Man denkt sich:
„Ja, ganz nett.“
…und benutzt sie dann trotzdem nie.
Genau so ging es mir jahrelang mit Samsung DeX.
Ich wusste natürlich, dass man das Tablet oder Smartphone an einen Monitor anschließen kann. Tastatur dran, Maus dran, Fenster verschieben, fertig.
In meinem Kopf war DeX aber immer irgendwo zwischen „Tablet auf groß“ und „nettes Messe-Feature“ eingeordnet.
Heute wollte ich einfach mal ausprobieren, wie weit Samsung inzwischen wirklich gekommen ist.
Und ehrlich gesagt…
…mein Weltbild hat heute einen kleinen Knacks bekommen.
Moment mal… das fühlt sich ja wie ein richtiger Desktop an.
Also Tablet an den Monitor.
DeX gestartet.
Browser geöffnet.
ChatGPT daneben.
Ein bisschen herumgeklickt.
Und ziemlich schnell fiel mir auf:
Das fühlt sich erstaunlich… normal an.
Nicht nach Android.
Nicht nach Tablet.
Sondern eher wie ein kleiner Desktop-PC.
Fenster lassen sich frei verschieben.
Programme laufen nebeneinander.
Alt-Tab funktioniert.
Rechtsklick.
Mehrere Desktops.
Externe Tastatur.
Maus.
Eigentlich alles, was man von einem Desktop erwartet.
Natürlich ersetzt das keinen vollwertigen Linux- oder Windows-PC.
Aber es fühlt sich eben auch längst nicht mehr wie ein „großes Handy“ an.
Dann habe ich einfach angefangen, Apps zu öffnen.
Okay…
Browser.
Funktioniert.
Dann dachte ich mir:
„Na gut… schauen wir mal weiter.“
Also:
Google Chrome
Netflix
Crunchyroll
mein E-Book-Reader
…
Und alles lief erstaunlich gut.
Gerade der E-Book-Reader hat mich überrascht.
Auf einem Ultrawide-Monitor saß ich plötzlich da und las Manga fast so entspannt wie an einem normalen Rechner.
Nicht hochskaliert.
Nicht irgendwie kaputt.
Sondern einfach…
…funktionierend.
Und dann kam der Moment, in dem ich lachen musste.
Auf unterstützten neueren Android-Geräten gibt es mittlerweile tatsächlich eine Debian-basierte Linux-VM beziehungsweise ein Linux-Terminal.
Ich wusste zwar, dass es dieses Terminal gibt…
…aber irgendwie hatte ich erwartet, dass das eher Spielerei ist.
War es nicht.
Also…
sudo apt update
sudo apt install git
sudo apt install nodejs npm
sudo apt install php-cli composer
…
Funktioniert.
Danach:
git --version
node --version
php --version
composer --version
…
Funktioniert ebenfalls.
Und irgendwann installierte ich einfach noch Codex.
Da musste ich wirklich kurz lachen.
Ich saß vor einem Android-Tablet…
…und arbeitete plötzlich in einer Debian-Umgebung.
Da fing mein Kopf an zu arbeiten.
Ich fragte mich irgendwann:
Brauche ich für Gedankenbrei überhaupt meinen Desktop?
Oder für Animavel?
Wenn ich ehrlich bin…
…wahrscheinlich nicht.
Browser.
Git.
PHP.
Composer.
Node.js.
Codex.
ChatGPT.
Ein bisschen Office.
E-Mails.
Browser.
Mehr brauche ich für diese Projekte oft gar nicht.
Und genau das war die eigentliche Überraschung.
Nicht, dass das Tablet Linux kann.
Sondern dass ich plötzlich gemerkt habe, wie viel meiner täglichen Arbeit inzwischen komplett im Browser oder im Terminal stattfindet.
Der Desktop bleibt trotzdem.
Keine Sorge.
Hybruntalia ziehe ich jetzt nicht auf ein Android-Tablet um.
Qt.
Wayland.
Pakete bauen.
Virtuelle Maschinen.
Größere C++-Projekte.
Das bleibt ganz klar Aufgabe meines Desktop-Rechners.
Aber…
…Gedankenbrei?
Animavel?
Da sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.
Technik entwickelt sich manchmal schleichend.
Vor zehn Jahren war ein Tablet für mich hauptsächlich:
YouTube.
Netflix.
Vielleicht mal eine Runde im Internet surfen.
Heute sitze ich davor…
…arbeite mit Git.
Nutze Debian.
Installiere Pakete mit apt.
Lasse Codex an einem Projekt arbeiten.
Bearbeite WordPress.
Lese Manga auf einem Ultrawide-Monitor.
Und denke mir:
„Moment… das reicht ja eigentlich.“
Mein Fazit
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen Artikel über Samsung DeX schreiben würde.
Noch weniger hätte ich gedacht, dass dieser Artikel so positiv ausfällt.
Nein.
DeX ersetzt meinen Desktop nicht.
Aber es ersetzt etwas viel Wichtigeres:
Das Vorurteil, dass Android nur zum Konsumieren da ist.
Und genau das hat mich heute am meisten überrascht.